Google Allo und die Sache mit dem Datenschutz

Als der Softwareriese Google im Mai auf der eigenen Entwicklerkonferenz Google I/O seinen neuen Messenger Google Allo vorstellte, betonte er vor allem die Datenschutz-Optionen. Inkognito-Chats und selbstzerstörende Nachrichten sollten die Sicherheit erhöhen. Ab sofort ist die Anwendung im Apple App Store verfügbar und wir konnten uns einen ersten Eindruck verschaffen. Und siehe da: In den Grundeinstellungen ist der Messenger eine echte Datenkrake mit ausladender Speicherwut.

Google will den Messenger-Markt aufmischen. Mit Google Allo stellt das Unternehmen aus Mountain View eine leistungsstarke Alternative zu WhatsApp, Telegram, Facebook Messenger und Co. bereit. Neben dem obligatorischen Nachrichtenversand bietet Google in der Applikation auch eine neuartige künstliche Intelligenz an. „Google Assistant“ hilft beim gemeinsamen Suchen von nahe gelegenen Gaststätten oder den nächsten Sehenswürdigkeiten und zeigt Verkehrsrouten, das Wetter oder aktuelle Sportergebnisse an. Dabei greift der Softwareriese intelligent auf die Daten seiner Suchmaschine zurück und ermöglicht eine nahezu menschliche Interaktion mit dem Algorithmus. Leider ist der Service derzeit nur in englischer Sprache verfügbar, allerdings soll die deutsche Sprachunterstützung demnächst an den Start gehen. Der Funktionsumfang in der englischen Version ist schon einmal beeindruckend und macht Lust auf mehr. Wir sind gespannt.

Standardeinstellungen von Google Allo setzen auf Datenspeicherung

Doch wie so oft ist nicht alles Gold was glänzt. Den Mehrwert bezahlt der Nutzer in den Standardeinstellungen mit den eigenen Daten. Wie die Kollegen von The Verge herausgefunden haben, werden die persönlichen Nachrichten und Eingaben dauerhaft auf Googles Server gespeichert. Hinzu kommt, dass im Normalmodus die Mitteilungen zwar verschlüsselt abgelegt werden, der intelligente Such-Algorithmus allerdings ohne Probleme darauf zugreifen darf. Die Verantwortlichen begründen das mit der erst dadurch möglichen ständigen Verbesserung des Dienstes. Lediglich das eigenhändige Löschen der Daten vom Smartphone soll Googles Kopien vernichten.

Auch deshalb warnt der bekannte Whistleblower Edward Snowden vor der Nutzung des Google-Messengers: „Ab sofort frei zum Download: Google Mail, Google Maps und Google Überwachung. Das ist #Allo. Benutzt Allo nicht.“ In den Vereinigten Staaten sollen die Nachrichten sogar zur Strafverfolgung verwendet werden. Bei vorliegenden Verdachtsmomenten sollen Staatsanwälte und Richter Zugriff auf die Daten erhalten und als Beweismaterial nutzen können. Inwieweit diese Praxis zu uns nach Europa kommen könnte, ist momentan fraglich. Zu hart sind die Datenschutzbestimmungen in der EU und speziell hier in Deutschland.

Update: Laut dem Google Transparenzbericht ist Deutschland nach der Anzahl von „Auskunftsersuchen zu Nutzerdaten“ von Strafverfolgungsbehörden mit 7.491 auf Platz 2 hinter den USA. Bei 57 % der Anträge wurden auch entsprechende Daten vorgelegt. Insgesamt 11.562 Nutzerkonten wurden dazu in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres 2015 herangezogen.

Zur Sicherheit Inkognito-Modus aktivieren

Wer dem vorbeugen will, sollte auf den Inkognito-Modus zurückgreifen. Er ist wie auf der Google I/O versprochen in der App verfügbar und ermöglicht eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sowie das optionale Setzen eines Ablaufdatums für gesendete Nachrichten. Wahlweise nach Minuten, Stunden oder Tagen löscht Google die Mitteilungen dann nach Vorbild des sozialen Netzwerkes Snapchat. Schlussendlich muss jedoch jeder selbst wissen, ob er Google Allo Vertrauen schenkt oder nicht. Denn inwieweit vertrauliche Daten wirklich von den Servern verschwunden sind, weiß wohl nur Google selbst.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Androidpiloten unter CC BY-ND 4.0.


Teaser by Google
Screenshot by Jonas Haller


Jonas Haller

Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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