„Flashzellenkur“ für euer MacBook: SSD-Upgrade selbst gemacht

„Dein Rechner denkt zu viel“, hatte ein Freund zu mir gesagt, als wir im Oktober das macOS High Sierra auf meinem MacBook Pro (Ende 2011) installierten. Tja, Festplatte voll. Kann man aufräumen, kann man aber auch einfach ein SSD-Upgrade machen. Inzwischen sind Speicherplatten vom Typ Solid-State-Drive (SSD) bezahlbar und für die Geschwindigkeit des Rechners lohnt sich der Wechsel von herkömmlichen Hard-Disk-Drives (HDD) immens. Wie bei Heise zu lesen, „steigt die Systemperformance durch den Einbau einer SSD insgesamt auf bis zu 365 Prozent: Das merken Sie bei jedem Befehl, bei allem, was Sie am Mac tagtäglich tun.“

Zudem ist das SSD-Upgrade recht einfach: Wenn man sich nicht komplett dämlich anstellt, sind die passenden Schraubendreher wohl das größte Problem. Wir haben ein CyberTool von Victorinox benutzt. Hier fehlt zwar der 6-mm-Torx-Bit, aber eine Zange und der Minidreher aus dem Taschenmesser tun es auch.

Vorbereitung fürs SSD-Upgrade

Auf der Festplatte des Macs sind sein Betriebssystem, Programme und Dateien gespeichert. Bevor ihr sie austauscht, müsst ihr euch also überlegen, wie ihr den Rechner booten, ein neues Betriebssystem und Programme installieren wollt. Ich habe den Rechner von der Recovery Partition meiner alten Festplatte aus gebootet und einige Programme überspielt. Dazu musste ich die alte Festplatte in ein Gehäuse mit USB-Anschluss einbauen, um sie wieder anschließen zu können. Mit einem SATA3-auf-USB-Kabel kann man sich das sparen. Einfacher als die Datenmigration ist ein Kaltstart über das Internet. Je besser die Verbindung, desto schneller geht es und der Rechner ist bis auf sein Betriebssystem erstmal frisch.

Los geht es mit dem SSD-Upgrade

Sucht euch ein sauberes Plätzchen mit einer weichen Unterlage, legt euch gegebenenfalls ein Antistatik-Armband an und Glasreiniger bereit, dann kann es mit dem SSD-Upgrade losgehen.

1. Rückabdeckung öffnen

Entfernt die zehn Schrauben und löst mit den Fingern in der Nähe vom Ventilator die Gehäuse-Unterseite vom Hauptteil des Gehäuses.

  • Hebt die Gehäuse-Unterseite von hinten an und nehmt sie vom Rechner ab.
  • Reinigt bei Bedarf die Gehäuse-Unterseite mit Glasreiniger.

    SSD-Upgrade MacBook Ende 2011 Schrauben Rückseite
    Image by Lena Simonis

2. Akku vom Logic-Board trennen

  • Löst den Akkuanschluss vom Sockel, indem ihr vorsichtig die beide kurzen Seiten des Anschlusses nach oben hebelt.
  • Biegt das Akkukabel nach hinten, damit es sich nicht versehentlich wieder verbindet.
  • Entfernt vorsichtig den Staub, besonders den im Lüfter. Staub ist oft die Ursache von ständigen, lauten Lüftergeräuschen und zu viel Hitze.

3. Festplattenhalterung entfernen

  • Löst die beiden Schrauben, die die Festplattenhalterung befestigen.
  • Diese Schrauben bleiben in der Halterung hängen.
  • Vorsichtig beim heraus nehmen sein, denn die Festplattenhalterung steckt manchmal sehr fest am Gehäuse.

4. Festplatte mit der Ziehlasche aus dem Gehäuse heben

  • Versucht nicht, die Festplatte komplett zu entnehmen, sie ist noch angeschlossen.
  • Zieht das Festplattenkabel von der Festplatte weg und entfernt die Festplatte.

5. Haltebolzen austauschen

  • Entfernt die vier 6,0-mm-Bolzen vom Typ T6 Torx, die sich an den Seiten der Festplatte befinden und schraubt sie an die neue Festplatte.
  • Klebt die alte Ziehlasche auf die neue Festplatte und arbeitet dann die Schritte in umgekehrter Reihenfolge ab, um euer Gerät wieder zusammenzubauen.

TRIM für SSD aktivieren – auf eigenes Risiko

Was ihr beim Upgrade mit einer Dritthersteller-SSD machen solltet, ist die nachträgliche Aktivierung des TRIM-Supports. So bleibt die Schreibgeschwindigkeit der SSD auf Dauer erhalten. Seit OS X 10.10.4 könnt ihr die TRIM-Funktion für Drittanbieter-SSDs per Terminal-Kommando nachträglich aktivieren, allerdings ohne Gewähr von Apple. Bei mir hat das problemlos funktioniert.

1. Geht zu → Dienstprogramme → Terminal
2. Gebt dort ein:

sudo trimforce enable

und ↩
3. Gebt euer Admin-Passwort ein und ↩
4. Bestätigt zweimal mit y und ↩

Fazit: SSD-Upgrade fürs MacBook ist kein Hexenwerk

Der Wechsel von HDD auf SSD ist buchstäblich eine Frischzellenkur für Euer MacBook – günstiger, schneller und unkomplizierter als mit einem SSD-Upgrade lässt sich die Rechenperformance nicht verdreifachen. Frisch geputzt und aufgerüstet kann der Frühling kommen. :-)

Eure alte Festplatte könnt ihr über SATA-auf-USB-Kabel oder in einem entsprechenden Gehäuse extern weiter verwenden.

 

Was ich für das Umbauprojekt verwendet habe:

Kingston 240 GB SSD-Festplatte (Provisions-Link)
Victorinox CyberTool (Provisons-Link)
SATA-auf-USB-Kabel mit Hülle für HDD (Provisions-Link)


Teaser Image by ifeelstock / stock.adobe.com; Images by Lena Simonis


Lena Simonis

ist Fachjournalistin für Interactive Design, Technologie, eCommerce, digitale Wirtschaft und Bildung. Lebt seit 2003 in Hamburg und arbeitete dort unter anderem als Redakteurin für einen Kulturverein, verschiedene Fachverlage, Agenturen und Start-Ups.

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