Nokia Body Cardio im Langzeittest: Smarte Waage mit einem Herz für eure Gesundheit

Smarte Waagen können nicht nur allerhand Körperdaten messen, sondern sie per App auch an euer iPhone schicken. Dort könnt ihr die Infos über eure Gesundheit über einen längeren Zeitraum vergleichen und Rückschlüsse ziehen. Die Nokia Body Cardio ist so eine smarte Waage. Sie basiert noch auf einer Entwicklung des von Nokia übernommenen Herstellers Withings und hebt sich aus der immer größeren Produktauswahl an smarten Waagen durch Daten zu Herz und Kreislauf ab. Mit einem Preis von rund 180 Euro gehört sie zu den teureren Produkten. In meinem mehrmonatigen Praxistest habe ich erlebt, dass Design, Hardware-Funktionen und App-Qualität diesen Preis rechtfertigen und die Nokia Body Cardio zu einer Kaufempfehlung machen.

Das bietet euch die Nokia Body Cardio

Äußerlich ist die Nokia Body Cardio eine Zierde im Bad eines jeden Designliebhabers. Mit seinem schlanken Aluminiumboden ohne Füße, der gestreiften Oberfläche und dem leicht milchigen Deckglas macht mein weißes Testexemplar einen edlen Eindruck.

Im Innern der Waage messen vier Sensoren das Gewicht, die Körperzusammensetzung und Herzdaten. Daraus errechnet die Software euren Body-Mass-Index (BMI) sowie den prozentualen Anteil des Körperfetts und Wassers, der Muskel- und Knochenmasse. Neben der Herzfrequenz zeichnet die Waage außerdem die sogenannte Pulswellengeschwindigkeit auf. Dieser Wert ist ein Indikator dafür, wie gut das Blut durch den Körper fließt und inwiefern gegebenenfalls die Gefäße krankhaft verengt sein könnten. „Nice to have“: Wer Entscheidungshilfe bei der Kleiderwahl benötigt, kann sich auch die lokale Wettervorhersage anzeigen lassen.

Update 23.1.18: In einer überraschenden Mail an alle Besitzer der Nokia Body Cardio teilte Nokia mit, dass die Messung der Pulswellengeschwindigkeit ab dem 24.1.2018 in der Waage und in der App abgeschaltet wird. Nokia begründet dass so: „Nach einer routinemäßigen Überprüfung sind wir zu dem Schluss gelangt, dass diese Funktion eventuell eine andere Art der behördlichen Zulassung erfordert.“ Weil es sich um ein zentrales Feature handelt, können Kunden die smarte Waage an Nokia zurückschicken und sich den Kaufpreis erstatten lassen. Weitere Infos dazu in diesen FAQ.

Mal abgesehen von der Wetterlage sollen diese Werte euch ein besseres Verständnis für die eigene Fitness und Gesundheit vermitteln. Deshalb zeigt die Waage sie nicht nur auf dem gut ablesbaren Monochrom-Display an, sondern schickt sie per WLAN an die App des Herstellers. Auf eurem iPhone oder Android-Smartphone unterstützt euch die Software mit einer hilfreichen Einordnung, in welchem Normbereich sich euer Fitness- und Gesundheitsniveau. Nicht nur deswegen ist die App ein wesentlicher Bestandteil des ganzen Produkts.

Nokia Health Mate: Eine App macht die Waage erst smart

Zwar lässt sich die Waage streng genommen auch ohne App nutzen. Für eine Personalisierung der Messdaten ist die kostenlos für iOS und Android erhältliche App Nokia Health Mate dringend erforderlich.

Zum Beispiel benötigt ihr die schicke und übersichtliche App zur Anpassung der Display-Inhalte und zur Verknüpfung mit einem persönlichen Profil im Webportal von Nokia Health. Dort hinterlegt ihr Alter und Größe, damit die App den BMI errechnen und eure Verfassung einordnen kann. Nach jedem Wiegen synchronisiert die Waage die neuen Daten mit eurem Profil.

Lebt ihr nicht alleine, können Mitbewohner die smarte Waage ebenfalls nutzen. Dazu erstellt ihr bis zu sieben weitere Profile – ohne, dass diese Benutzer selbst einen Nokia-Account haben müssen.

Nokia Health Mate App
Mit der Nokia Health Mate App könnt ihr die Daten der Nokia Body Cardio auswerten. Image by Nokia

Sehr praktisch: Die App weist die Messdaten so gut wie möglich automatisch dem richtigen Datensatz zu und orientiert sich dabei am Gewicht. Ich bringe deutlich mehr auf die Waage als meine Frau. Deshalb ist die Unterscheidung für die Body Cardio keine Herausforderung. Wiegen jedoch zwei Benutzer ähnlich viel – was bei meiner Frau und meiner Schwiegermutter zutrifft – bittet die App um eine manuelle Auswahl des Profils.

Für einen möglichst vollständiges Bild könnt ihr die Daten der Waage mit weiteren Informationsquellen vernetzen. So funktioniert Health Mate nicht nur mit der Body Cardio, sondern ist der Sammelpunkt für alle ehemaligen Withings- und jetzigen Nokia-Gesundheitsprodukte wie Fitness-Tracker und Blutdruckmessgeräte. Außerdem könnt ihr die App mit Apple Health unter iOS oder Google Fit unter Android verbinden. Auf diese Weise kann ich auch die mit der Apple Watch zurückgelegten Schritte im Profil der Nokia-App einsehen.

Darüber hinaus bietet die App Coaching-Programme, die jedoch nichts Smartes an sich haben, sondern wie von der Stange wirken. Und die enthaltene Erinnerungsfunktion erfüllt den gleichen Zweck wie ein Eintrag in einer beliebigen To-Do-App.

Langzeiterfahrungen mit der Nokia Body Cardio

Nach gut neumonatigem Einsatz ist die smarte Waage samt Gesundheits-App aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie exakt die Waage misst, kann ich Rahmen meines Tests zwar nicht überprüfen. Aber die Werte lassen sich reproduzieren und wirken plausibel.

Die Synchronisation der Messdaten mit der Software funktioniert reibungslos innerhalb weniger Sekunden. An der Stabilität von Waage und App ist nichts auszusetzen. Nur im Zuge der Umstellung von Withings auf Nokia und dem damit verbundenen Relaunch der App kam es im Herbst 2017 zu kleineren Nickligkeiten. So ließ sich ein Firmware-Update mittels der App nur nach einem etwas mühseligen Reset der Waage und einer Neuinstallation der App durchführen. Inzwischen läuft die App jedoch wieder schnell und rund.

Mit der Energie des festverbauten Akkus weiß die smarte Waage erfreulich sparsam zu haushalten. Seit der Inbetriebnahme im Mai 2017 habe ich das Testgerät nur einmal per USB-Kabel mit neuer Energie betankt. Vollständig leer war der Akku zu dem Zeitpunkt noch nicht. Daher halte ich eine zwölfmonatige Akkulaufzeit, die der Hersteller angibt, für realistisch.

Test-Fazit Nokia Body Cardio

Smarte WLAN-Waagen, die ihren Mehrwert erst mithilfe von Apps ausspielen, sind komplexe und daher fehleranfällige Produkte. Die Body Cardio von Nokia Health (ehemals Withings) erweist sich vor diesem Hintergrund im Langzeittest in punkto Hardware wie in punkto Software als funktional, stabil und nützlich. Die Hardware misst zuverlässig und synchronisiert die Daten reibungslos mit der getesteten iOS-Version der App. Zwischenzeitliche Software-Probleme im Zuge des Herstellerwechsels sind behoben. Auch mit Apple Health arbeitet die Nokia-App prima zusammen.

Die Aufbereitung und Einordnung der Messdaten in der Nokias App Health Mate ist eine sinnvolle Unterstützung für alle, die ihr Gewicht und ihre Gesundheit im Blick behalten möchten. Hingegen die Coaching-Funktion der App ist kaum der Rede wert. Den inneren Schweinehund zu überwinden, kann euch aber sowieso niemand abnehmen.

Nokia Body Cardio
Nokia Body Cardio ist als weiße oder schwarze Farbvariante erhältlich. Image by Nokia

Unter dem Strich ist die in Weiß oder Schwarz erhältliche Nokia Body Cardio für 180 Euro im Hersteller-Shop ein hochpreisiger aber auch hochwertiger Vertreter unter den smarten Waagen, dessen Kauf ich empfehlen kann. Den hohen Aufpreis gegenüber vergleichbaren Geräten rechtfertigt Nokia mit dem Messen von Herzfrequenz und Pulswellengeschwindigkeit. Wer diese Erkenntnisse nicht benötigt, kann zu einer Nokia-Waage ohne „Cardio“-Zusatz im Namen greifen und dadurch mindestens 100 Euro sparen.

Update 23.1.2018: Obwohl mich wenige Tage nach meinem Test die News über die Deaktivierung der Messung der Pulswellengeschwindigkeit überrascht hat, ändert sich an meiner Einschätzung nur wenig. Ich halte die smarte Waage weiterhin für ein gutes Produkt. Allerdings schrumpft der Mehrwert gegenüber den preisgünstigeren Geschwistermodellen nochmals drastisch. Wer zum Beispiel einen Fitness-Tracker hat, der die Herzfrequenz misst, benötigt nicht zwingend eine Herzfrequenzmessung in der Nokia-Waage. In diesem Fall könnt ihr daher auch zu einem Modell greifen, dass 100 Euro weniger kostet.


Images by Nokia


Berti Kolbow-Lehradt

Berti ist ein pragmatischer Tech-Nerd, der gern Dinge testet, die das Leben komfortabler gestalten und vor allem Spaß bereiten. Er liebt smarte Unterhaltungstechnik sowie digitale Fotografie – und gibt gern Ratschläge dazu. Daher auch der Spitzname „RatgeBerti“. Wäre er nicht Technik-Journalist geworden, dann in einem anderen Leben vielleicht Superheld mit Technik-Overkill (Batman?) oder menschlicher Side-Kick bei den Transformers.

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