Sturmkind DR!FT im Test: Smartes Spielzeug für Erwachsene

Per Startknopf zündet der Motor, eine V8-Maschine heult auf. Ein beherzter Tipp auf das Gaspedal sorgt für einen Burnout erster Klasse, quer geht es ums nächste Eck. Was nach einem (illegalen) Tuning-Szenario klingt, spielt sich stattdessen (ganz legal) im Wohnzimmer ab. Das deutsche Startup Sturmkind hat nichts geringeres als das erste ferngesteuerte Modellfahrzeug mit realistischem Fahrverhalten auf den Markt gebracht. So behauptet es zumindest dessen Erfinder Martin Müller. Ich habe das smarte Gadget getestet und verrate euch, ob Sturmkind DR!FT seinen Preis von etwa 200 Euro wert ist.

Schickes Fantasie-Fahrzeug mit Lichteffekten

Der Grund für diesen gesalzenen Preis ist neben der geringen Stückzahl der Umstand, dass der Sturmkind DR!FT ausschließlich in Deutschland und in filigraner Handarbeit zusammen gebaut wird. Dafür ist die Qualität sehr gut. Bereits der Karton setzt das Gadget hübsch in Szene, der Racer selbst befindet sich in einer eigenen Schatulle. Damit lässt sich das smarte Spielzeug ohne Demolierungen transportieren. Zudem findet sich im Lieferumfang ein microUSB-Kabel zum Laden, ein Schraubendreher zum Tunen des Fahrwerks sowie sechs runde Markierungen, über die sich die Rennstrecke markieren lässt.

Da Sturmkind keinerlei Lizenz eines der etablierten Autohersteller besitzt, ist das Design ein Fantasieprodukt. Während die Front an einen der bulligen Ford Mustang der aktuellen Generation erinnert, ist am Heck die Ähnlichkeit eines Alfa Romeo unverkennbar. Alles in allem sollte das sportliche Design den meisten Motorsport-Fans zusagen. Besonders die schicken LED-Scheinwerfer machen im Betrieb etwas her.

Das Heck des Sturmkind DR!FT erinnert an einen Alfa Romeo. Image by Jonas Haller

App mit intuitiver, aber kniffliger Steuerung

Interessant für Technik-Nerds ist der Blick auf die Unterseite des Fahrzeugs. Dort zeigt sich nämlich der Trick hinter dem realistischen Fahrverhalten. Kernstück ist der Antrieb um den zentralen Schwerpunkt des Fahrzeugs. Zwei individuelle angesteuerte Räder sorgen für nervöse Burnouts und ausladende Drifts. Damit es aber überhaupt soweit kommt, muss die offizielle App auf dem Smartphone installiert werden. Sie ist sowohl für Android als auch iOS verfügbar.

Beim ersten Start ist die meiner Meinung nach unnötige Registrierung bei Sturmkind nötig. Dann öffnet sich allerdings direkt das Verbindungsmenü. Per Bluetooth verbindet sich der DR!FT-Racer unkompliziert mit dem Mobiltelefon. Es öffnet sich ein Dashboard, über den das Gadget auch direkt gestartet werden kann. Wie beim realen Vorbild heult der Motor per Druck auf den Startknopf auf. Dafür nutzt die Software die am Smartphone verbauten Lautsprecher. Der Sound ist also immer so gut wie die Speaker des jeweiligen Telefons. Ein Wisch des rechten Daumens über die entsprechende Bildschirmhälfte lässt das Fahrzeug sachte starten. Ein leichtes Neigen des Smartphones nach rechts und links sorgt für mehr oder weniger präzise Lenkbewegungen. Der Bremsvorgang wird über einen Wisch des linken Daumens eingeleitet. Besonders zu Beginn ist die Steuerung gewöhnungsbedürftig und knifflig. Nach einigen Minuten lassen sich jedoch deutliche Fortschritte erkennen.

Die Steuerung des Racers erinnert an herkömmliche App-Rennspiele. Image by Jonas Haller

Verschiedene Fahrmodi sorgen für Langzeitmotivation

Neben dem Standard-Driftmodus bietet der Sturmkind DR!FT diverse Anpassungsmöglichkeiten. So lässt sich der Schwierigkeitsgrad, die Streckeneigenschaften oder etwa der Driftwinkel variieren. Im Rennmodus bricht das Heck etwa nicht so schnell aus. Selbst als Einzelspieler bringt das Fahren eine Menge Spaß. So richtig amüsant wird es allerdings erst mit Freunden – auch wenn Rennen gegeneinander über eine definierte Strecke alles andere als einfach sind. Hier gilt: Je größer der Raum, desto besser. Der Slogan „Real Racing Simulation – Right on your desk“ ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Für die Langzeitmotivation plant Sturmkind zudem einen Gymkhana-Modus á la Ken Block. Er war – wie auch der Marketplace – zum Testende noch nicht verfügbar.

Bleibt noch die Frage nach der Akkulaufzeit: Mit einer Ladung fährt der DR!FT Racer rund 30 Minuten. Mit einem herkömmlichen 1A-Netzteil ist der 150 mAh starke Akku innerhalb von zehn Minuten wieder vollständig geladen.

Der microUSB-Anschluss befindet sich auf der Unterseite des Sturmkind DR!FT. Image by Jonas Haller

Fazit: Beeindruckender Spielzeug-Racer mit Suchtpotential

In den letzten Wochen habe ich den Sturmkind DR!FT bei so ziemlich jeder Gelegenheit Familie, Freunden und Kollegen gezeigt. Sie waren durchweg begeistert. Die Fahrphysik ist derart realistisch, dass man meinen könnte, man schaue aus der Vogelperspektive auf reale Fahrzeuge. Allerdings ist das originalgetreue Fahrverhalten auch mit allerhand Training verbunden. Vor allem im einfachen Arcade-Modus stellen sich jedoch schnell Erfolge ein.

Und wie steht es nun um das Preis-Leistungs-Verhältnis? Als technikbegeisterter Ingenieur und erwachsenes Spielkind ist der Sturmkind DR!FT genau das richtige Gadget für den Spaß zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger. Man nutzt den Racer mal 10 – 15 Minuten, hat dann aber auch erstmal genug und widmet sich sinnvolleren Dingen. Und genau das ist ein kleines Manko: Obwohl die Langzeitmotivation in Sachen Schwierigkeitsgrad gegeben ist, hat man nach einigen Minuten umherfahren genug. Das liegt vor allen Dingen an den platzbedingt geringen Variationsmöglichkeiten der Strecke – wenn man nicht gerade einen leeren Partykeller besitzt. Und so ist der Sturmkind DR!FT für meinen Geschmack etwas zu teuer, um nur als gelegentliches Spaß-Gadget genutzt zu werden.

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Teaser & Images by Jonas Haller

Jonas Haller

Jonas ist technikbegeisterter Leichtbaustudent an der Technischen Universität in Chemnitz. Er sammelt gern Erfahrungen mit neuer Hardware sowie innovativen Technologien und lässt andere daran teilhaben. Durch den Techblog „HTC Inside“ ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das „Android Magazin“ aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge und Geschichten in seinem Leben, die er berichtenswert findet.

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