Klein funkt gut: Der Ultrasone Go Bluetooth im Test

Adieu, Kabelsalat, die Zukunft liegt im Funk. So schallt es schon seit Längerem durch die Hifi-Welt. Auch auf unserem Besuch bei der CanJam haben wir festgestellt, dass die Zukunft vor allem den mobilen Kopfhörern mit Bluetooth-Funktion gehört. Der bayerische Kopfhörerhersteller Ultrasone, der seit den 1990ern den Markt aufmischt, hat den Ruf nach Innovation vernommen und seinem 2015er Modell des Reisekopfhörers Ultrasone Go ein Update mit Funk-Features verpasst. Und das hat sich definitiv gelohnt! Denn der Ultrasone Go Bluetooth überzeugt im Test.

Design: Schmal genug, aber nicht klapprig

Das Ultrasone Go Bluetooth hat Format. Das merkt man bereits am robust gebauten Kopfbügel. Der Bügel ist mit einer stabilen, rutschfesten, matten Gummischicht ummantelt. Die Verstellgelenke an den beiden Ohrseiten bieten genügend Halt und Stabilität für jede Kopfgröße. Das Modell wiegt trotz seiner nicht ganz filigranen Bauweise nur etwa 160 Gramm und ist damit leicht genug für jede Reisetasche.

Auf der Außenseite der Ohrmuscheln prangt gut sichtbar das Logo auf silbern glänzendem Grund. Es wurde jedoch nicht farblich hervorgehoben. Diese Designentscheidung lässt das Ultrasone Go Bluetooth noch etwas hochwertiger wirken. Die Hörabdeckung ist aus weichem, schwarzem Kunstleder gefertigt. Auch nach längerem Hören wird es nicht zu warm unter den Muscheln.

Auch die Bedienungsknöpfe an der Unterseite der linken Hörmuschel sind angenehm schlicht gehalten. Neben den Buttons hat Ultrasone ein winziges Loch in die Hörmuschel gebohrt, aus der eine lichtstarke LED ihre Bereitschaft anzeigt. Die Drehscharniere an den beiden Hörmuscheln sind zwar aus Plastik, dieses erwies sich aber im Langzeittest als erfreulich robust.

Kabel oder nicht? Ihr habt die Wahl!

An der linken Hörmuschel befindet sich dann die „Schaltzentrale“ mit einem physischen Powerknopf und einem Vor- und Zurück-Button. An der unteren Seite ist zudem der Anschluss für ein Klinkenkabel angebracht, mit der sich das Ultrasone Go Bluetooth ganz einfach per USB-Charger aufladen lässt. Hierfür ist jedes handelsübliche Handy-Lademodell mit auswechselbarem USB-Kabel nutzbar. Apropos aufladen: Der Akku des Ultrasone Go Bluetooth ist nach etwa eineinhalb Stunden einsatzbereit und hält mit gut drei bis vier Tagen Dauerhörzeit erfreulich lange.

Wie durchdacht die Bluetooth-Variante des Go ist, merkt man spätestens, wenn der Akku doch einmal leergefunkt ist. In diesem Fall kann man in den selben Eingang, mit dem die Kopfhörer aufgeladen werden, auch das mitgelieferte Audiokabel mit edlem Stoffbezug einstecken und ganz analog weiterhören. Der Sound bleibt dabei vergleichbar dicht. Auch auf das Telefonieren muss man beim Tragen der Ultrasone Go Bluetooth-Kopfhörer nicht verzichten, denn die Kopfhörer bieten auch eine Telefonfunktion. Wahlweise kann auch mit Kabelverbindung und der integrierten Freisprecheinrichtung telefoniert werden.

Ultrasone Go Bluetooth Image by Anne Jerratsch 10
Image by Anne Jerratsch

Soundwand deluxe

Wie schon das Design, so steht auch der Klang des Ultrasone Go Bluetooth den großen Vorbildern aus dem Studio in nichts nach. Der Sound brettert ordentlich basslastig auf die Ohren, sodass es eine Freude ist. Die Höhen sind nicht zu spitz, die Mitten nicht zu breit – egal, ob man Pop, harte Gitarren oder Hörbücher hört, das Ultrasone kann mit seiner Klangstärke und -tiefe überzeugen. Das verdankt der Hersteller der Integration des aptX-Codecs, der die Klangqualität noch mehr verbessern soll.

Effektiv dürfte dazu wohl ebenso die Noise Cancelling-Funktion beitragen, die selbst in der vollbesetzten S-Bahn zum Feierabendverkehr für Ruhe und Entspannung sorgt– oder besser gesagt, für eine ordentliche Soundwand zwischen den Tester-Ohren und dem stressigen Alltag.

Funk with my heart: Das Ultrasone Go Bluetooth im Praxistest

Während andere mobile Over-Ears mit komplizierter Faltung und Verdrahtung eher einem Geduldsspiel gleichen, ist das Ultrasone Go Bluetooth erfreulich unkompliziert zusammenfaltbar. Er erweist sich in der Tasche zwar nicht als superflach, lässt sich aber mit dem mitgelieferten Transportsäckchen platzsparend verstauen. Dank der dickeren Scharniere an den Seiten erlebt man zudem keine ziepende Überraschung beim Auf- oder Absetzen.

Das Ultrasone Go Bluetooth verbindet sich schnell und zuverlässig mit jedem Device, das in der Nähe zu finden ist. Im Alltagstest dürfte das in den meisten Fällen wohl das Smartphone sein. Besonders im Winter hat unsereins mit Schal und Umhängetasche bereits genug zu wursteln – da erweist sich die Bluetooth-Variante als ganz besonders praktisch.

Ultrasone Go Bluetooth Image by Anne Jerratsch
Image by Anne Jerratsch

Mit dem Powerknopf an der rechten Seite wird der Go eingeschaltet. Der Knopf ist in einem angenehmen Winkel angebracht, den man daher gut mit einer Hand erreichen kann. Die Kopfhörer geben eine melodische Klangfolge von sich und signalisieren so ihre Funkverbindung. Die Bluetooth-Verbindung wird vom Gerät in der Nähe zuverlässig gefunden und reicht auch im Alltagstest mehr als nur ein paar Meter weit.

Tadel für Telefonieren und Tragekomfort

Die Telefonfunktion hat bei meinem Test jedoch mehrfach versagt. Zwar konnte ich in wunderbarer Soundqualität hören, wie meine Anrufer auf mich einredeten; meine Antworten jedoch kamen offenbar nicht an. Das dürfte aber nicht weiter tragisch sein, denn zum Annehmen des Gesprächs muss man das Device ohnehin aus der Tasche ziehen. Wenn dem so ist, kann auch direkt auf konventionelle Weise telefoniert werden. Man sollte nur daran denken, die Hörer vorher von den Ohren zu nehmen, um sich merkwürdige Blicke zu sparen.

Auch beim Tragekomfort muss tatsächlich gemeckert werden: Da ich im Alltag desöfteren eine Brille trage, hatte ich hier so meine Probleme, denn die Designer haben das Ultrasone Go recht knapp gebaut. Zwischen dem Brillenbügel und der aufliegenden Hörmuschel ist für mich zu wenig Spiel. Hingegen für Tester mit einem schmaleren Gesicht als meinem dürfte dies vielleicht kein Problem sein. Jedoch drückt das Ultrasone Go Bluetooth in meinem Test nach einigen Stunden intensiven Tragens ziemlich auf die Schläfen. Schade, ich hätte gerne weitergehört!

Fazit: Let’s Go, Ultrasone Go!

Mit dem Go Bluetooth hat Ultrasone sein Vorgängermodell Go aus dem Jahr 2015 sinnvoll aufgehübscht. Der kleine mobile Kopfhörer lässt sich leicht zusammen- und auseinanderfalten und ist deshalb für Einsätze unterwegs bestens geeignet. Mit der integrierten Noise Cancelling-Funktion und dem sehr zufriedenstellenden Klangerlebnis macht das Musikhören sogar doppelt Spaß. Der starke Akku und die Variante, per Klinkenkabel weiterhören zu können, gibt dem Set außerden den letzten und entscheidenden Pfiff. Das Ultrasone Go Bluetooth ist derzeit für etwa 150 Euro im Handel erhältlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Netzpiloten.


Images by Anne Jerratsch


Anne Jerratsch

ist freischaffende Autorin und Redakteurin bei den Netzpiloten und den Hello-Magazinen. Sie hat zeitgenössische und mittelalterliche Geschichte sowie Anglistik und Amerikanistik studiert und arbeitet, seit das erste Modem ins Elternhaus einzog, an irgendwas mit Medien. Sie bloggt und twittert als @keksmadam, mag und macht Podcasts und wirkt bei der nichtkommerziellen Hörspielvereinigung Die Neuvertonung mit.

More Posts - Website - Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.