Von Hobby bis Profi: Die interessantesten 360-Grad-Kameras auf der Photokina

Die gerade zu Ende gegangene Photokina in Köln ist die weltweit größte Messe der Foto- und Imagingindustrie. In der Vergangenheit nutzen alle großen Kamerahersteller die Gelegenheit zur Vorstellung neuer Topmodelle und wichtiger Innovationsträger. Dieses Jahr war das jedoch nicht wirklich der Fall. Im traditionellen Kamerabereich gab es zwar das ein oder andere interessante neue Modell zu sehen aber insgesamt war echte Innovation Mangelware. Das sind zum einen die Auswirkungen eines Erdbebens im japanischen Kumamoto im April, das die Produktion bei einigen wichtigen Zulieferern der Branche beeinträchtigt und dadurch zu Verzögerungen bei den Neuvorstellungen geführt hat. Zum anderen scheint es aber auch so, als ob den großen Herstellern ganz einfach die guten Ideen ausgegangen sind.

Ganz anders sieht die Situation bei den 360-Grad und VR-Kameras aus. Dank boomender Virtual and Augmented Reality Applikationen ist der Sektor ein Hoffnungsträger der Branche, wird aber von den traditionellen Herstellern noch immer so gut wie ignoriert. Zwar hat Nikon endlich die Verfügbarkeit der erstmals im Frühjahr vorgestellten Keymission 360 4K Actioncam angekündigt, aber ansonsten ist der Sektor fest in der Hand von Startups und kleineren Spezialisten. Diese waren auf der Photokina fast alle in oder um die sogenannte Futurezone in Halle 9 angesiedelt. Ich habe mich dort etwas genauer umgeschaut und stelle hier die interessantesten neuen 360-Grad und VR-Kameras vor.

Kodak PixPro 4KVR360: 360 Grad für den Einsteiger

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Die Kodak PixPro 4KVR360 lässt sich als 360-Grad Kamera und auch als klassische Actioncam nutzen.

Die Kodak PixPro 4KVR360 ist eine spritzwassergeschützte Actioncam, die 360-Grad Video in 4K-Auflösung oder sphärische Panoramas von bis zu 27 Megapixel Grösse aufnehmen kann. Der Clou ist dabei, dass die beiden Kameras unterschiedliche Bildwinkel abdecken. Das Objektiv an der Vorderseite hat einen Aufnahmewinkel von 155 Grad, was ungefähr dem einer klassischen Actioncam entspricht. Bei alleiniger Aktivierung der Frontkamera kann die Kodak also wie eine ganz normale Actioncam genutzt werden. Die Kamera an der Rückseite hat einen weiteren Bildwinkel von 235 Grad. Im 360-Grad-Modus werden dann beide Kameras gleichzeitig genutzt und die Aufnahmen, bei reduzierter Auflösung im Gerät, bei voller Auflösung per Stitching-Software, zusammengesetzt. Die Kodak PixPro 4KVR360 wird Anfang 2017 für ungefähr 500 Euro verfügbar sein.

Vuze VR: 4K in drei Dimensionen

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Die Vuze VR ist in ihrem Preissegment die einzige 3D-Kamera.

Mit einem Preis von 899 Euro ist auch die Vuze VR für den Hobbynutzer konzipiert. Sie ist die momentan einzige Kamera in dieser Preisklasse, die 4K-Video in 3D aufnehmen kann. Dazu nutzt sie acht Full-HD Kameras, die paarweise an den Ecken des Geräts angeordnet sind. Bei solch großen Datenmengen ist ein Zusammensetzen der Einzelvideos in der Kamera momentan noch nicht möglich. Mit der Vuze App oder der Vuze Studio Desktop Software lässt sich dies aber einfach nach der Aufnahme erledigen. Im Kit enthalten sind auch ein mit den meisten Smartphones kompatibles VR-Headset und ein Stativ, das sich zusätzlich auch als auch Handgriff nutzen lässt. Die Vuze VR wird ab Oktober verfügbar sein.

Panono: Die Wurfkamera

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Die Panono Kamera nimmt Bilder mit 36 Minikameras auf

Die Panono Ballkamera ist eigentlich keine echte Neuheit mehr. Ich hatte schon vor mehr als zwei Jahren die Gelegenheit, einen Prototypen zu testen, aber das fertige Serienprodukt ist erst seit kurzem im Handel erhältlich. Die ballförmige Panono hat 36 winzige Kameras, die im Zusammenspiel sphärische Panoramen mit einer beeindruckend hohen Auflösung von 108 Megapixel aufnehmen können. Dank integriertem Accelerometer hat die Panono eine Besonderheit zu bieten: Wirft man die Kamera in die Luft, macht sie automatisch eine Aufnahme am höchsten Punkt. Natürlich ist aber auch die Nutzung in der Hand oder auf einem Stativ möglich. Mit Preisen ab 1500 Euro liegt die Panono wohl über dem Budget vieler Hobbynutzer, Profis, wie zum Beispiel Hochzeits- oder Immobilienfotografen eröffnet sie aber ganz neue Möglichkeiten.

Sphericam: Sphärisches Video in Profiqualität

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Die Sphericam kann 4K-Panoramavideo mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Auch die Sphericam richtet sich an Profi-Anwender. Sie ist die momentan einzige Kamera, die sphärisches Panoramavideo in 4K-Auflösung und mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen kann. Wer sich mit 30 Bildern pro Sekunde begnügt, kann das fertige 360-Grad Video sogar direkt in der Kamera zusammensetzen lassen. Für die höhere Frame Rate muss man dann auf die mitgelieferte Desktop-Software zurückgreifen. Zur Videoaufnahme nutzt die Sphericam sechs Kameramodule und bietet manuelle Belichtungseinstellungen sowie das Abspeichern von Raw-Daten. Vier eingebaute Mikrofone liefern die entsprechende Soundqualität. Die Sphericam kann momentan für 2500 US-Dollar (ungefähr 2220 Euro) vorbestellt werden.

Orah 4i: Die Lösung fürs Live-Streaming

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Die Orah Kamera hat vier Fisheye-Objektive

Orah 4i ist eine Lösung zur Live-Übertragung von 360-Grad Content in 4K Auflösung und mit 30 Bildern pro Sekunde. Da fürs Streaming ein Zusammensetzen des Videos in Echtzeit nötig ist, muss die Orah Kamera mit einer leistungsstarken Prozessoreinheit mittels Kabel verbunden werden und ist daher keine wirklich mobile Lösung. Zur Aufnahme nutzt die Kamera vier Fisheye-Objektive und Sony Exmor Sensoren mit einer Auflösung von jeweils 2048 * 1536 Pixeln. Die Orah 4i richtet sich an die Veranstalter von Events und kann momentan für 2195 US-Dollar (ungefähr 1950 Euro) vorbestellt werden. Die Auslieferung ist ab Oktober geplant.

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Fürs Live-Streaming wird eine externe Prozessoreinheit benötigt

Freedom 360: GoPro-Halter für die Panoramaaufnahme

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Die Halterungen von Freedom360 können bis zu sechs GoPro Kameras aufnehmen.

Wer zuhause schon einige GoPro Actioncams herumliegen hat, für den könnten die Kamera-Halter von Freedom 360 eine interessante Option sein. Diese bieten, je nach Einsatzzweck, die Möglichkeit, bis zu sechs GoPros zur Aufnahme von 360-Grad Video mit professioneller 8K-Auflösung einzusetzen. Zum Stitching werden Softwarepakete wir PTGui oder VideoStitch eingesetzt. Die Freedom 360 Halter sind, wie die GoPro Kameras selbst, für den Einsatz unter harten Bedingungen ausgelegt und, je nach Ausstattung und Modell, ab 350 Euro zu haben.

Fazit

Unter den 360-Grad Kameras, die auf der Photokina zu sehen waren, war im Bezug auf Preisklasse und Einsatzzweck fast für jeden etwas dabei. Es wird aber auch deutlich, dass die Produktkategorie noch in den Kinderschuhen steckt und bei all der beeindruckenden Technik manchmal noch nicht ganz klar ist, wie diese denn am besten eingesetzt werden sollte. Andererseits ist es nur eine Frage der Zeit, bis Virtual Reality Anwendungen Einzug in unser alltägliches Leben halten werden. Damit werden dann unweigerlich auch weitere Verbesserungen der Technologie und besser definierte Einsatzszenarien einhergehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Androidpiloten unter CC BY-ND 4.0.


Teaser „Planet Muttart“ (adapted) by Kurt Bauschardt (CC BY-SA 2.0)

Images by Lars Rehm


Lars Rehm

Lars Rehm ist freiberuflicher Journalist und schreibt für US-, britische und deutsche Medien über Fotografie, Kameras und Technologie im Allgemeinen. Seit 2007 hat er für Dpreview.com unzählige Digitalkameras, Objektive und Zubehör getestet aber nimmt heutzutage einen großen Teil seiner Bilder auch mit dem Smartphone auf. Er ist fasziniert von der hohen Innovationsrate im Mobilsektor und den kreativen Möglichkeiten, die durch Konnektivität und mobile Rechenpower geboten werden.

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